da uns im Monat Juni mehrere Wochen lang die Kricket- Weltmeisterschaften in England beglueckten, will ich hier einmal den Versuch wagen, dieses Spiel zu erklaeren. Wer sich nicht gleich als dummer Tourist outen will, der sollte schon die wichtigsten Regeln des Spiels kennen, denn Kricket ist ein sehr wichtiges Spiel in Australien.
Erstmal der einfache Teil: Gespielt wird auf einem mehr oder weniger kreisrunden Spielfeld mit einem Durchmesser von wenigstens 100m. Darauf tummeln sich zwei Mannschaften mit je 11 Spielern. Von den beiden Mannschaften ist eine die "werfende" Mannschaft und die andere die "schlagende" Mannschaft. Damit es auf dem Spielfeld nicht zu voll wird, sind von der schlagenden Mannschaft nur immer 2 Spieler gleichzeitig aktiv. Der Rest der Mannschaft sitzt derweilen auf dem Balkon des Clubhauses und schluerft Tee.
Die 2 schlagenden Spieler stellen sich am zentralen Sandstreifen gegenueber auf, 20 Yards voneinander entfernt und harren dort der Dinge, die da kommen moegen. Das sollte in der Regel der Kricketball sein, der aussen aus Leder und innen aus Kork ist und etwa die Groesse eines Tennisballs hat. Das werfende oder auch verteidigende Team wirft dem "Batsman" (Schlaeger, nicht Batman!) den Ball vor die Fuesse und dieser versucht ihnen moeglichst weit weg zu schlagen. Gelingt ihm das, so faengt er an, in Richtung seines Kameraden zu laufen, um mit ihm die Positionen zu wechseln, d.h. der muss also auch zur selben Zeit laufen! Fuer jeden vollendeten Lauf erhaelt das schlagende Team einen Punkt. Man muss aber nicht laufen. Dann erhaelt man aber auch keine Punkte. Rollt oder springt der Ball ueber das Seitenaus, so gibt es 4 Punkte, egal ob man laeuft oder nicht. Genannt wird das ein "Over". Fliegt der Ball sogar direkt ins Seitenaus, ohne den Boden vorher nochmal beruehrt zu haben, dann ist mit 6 Punkten die fetteste Beute angesagt.
Nun waer's natuerlich ziemlich langweilig, wenn das alles waere. Deshalb gibt es verschiedene Regeln, wie der "Batsman" rausgekegelt werden kann. Trifft der Ball die dicken Schienbeinschoner, so kann der Kollege sofort duschen gehen, sofern er denn ueberhaupt ins Schwitzen gekommen ist. Er ist jedenfalls "out". Fuer ihn kommt dann einer seiner bisher gaehnenden Mannschaftskameraden ins Spiel. Als Werfer gehoert es dann scheinbar zum guten Ton, schreiend durch die Gegend zu laufen und dabei mit den Armen wild zu gestikulieren, so als ob man abheben wolle. Da es dann ein paar Minuten dauert, bis man wieder bereit ist, das Spiel fortzusetzen, haetten wir gleich eine hervorragende Werbepause fuer das Fernsehen. Das gleiche Schicksal droht den Schlagenden, wenn die "Wickets" hinter ihnen getroffen werden oder der Ball nach einem Schlag direkt aus der Luft von einem Spieler der anderen Mannschaft gefangen wird. Die Wickets sind drei parallele, senkrechte Stoecker auf denen 2 Hoelzer liegen. Faellt wenigstens eines von diesen zu Boden, dann ist Sense fuer den Sportfreund. In jedem Fall vollfuehre man als Werfer verwegene Taenze und lasse wildes Geschrei ertoenen, um seinen Emotionsstau abzubauen.
Bleibt noch die Frage, wann der Spass zu Ende ist. Beim Ein-Tages- Kricket, das ist die kurze (!) Variante, die auch bei den Weltmeisterschaften gespielt wird, wird auf maximal 300 geworfene Baelle gespielt. Erreicht man vorher 50 "Overs", dann ist auch sofort Schluss. Und logischerweise ist fuer das schlagende Team Feierabend, wenn 10 der 11 Spieler draussen sind, weil einer alleine nicht die Positionen mit seinem Gegenueber tauschen kann. Ich denke, die meisten werden es schon ahnen, dann ist noch lange nicht Schluss, denn nun kommt das andere Team an die Reihe und versucht natuerlich mehr Punkte zu erreichen.
Man mag es kaum glauben, aber man schafft das tatsaechlich an einem Tag! Grob gesagt, schlaegt am Vormittag die eine Mannschaft und dann am Nachmittag die andere. Als Pausen gibt es den "Lunch" und dann nochmal den "Afternoon Tea". Wenn man sich die Sportkommentare anhoert, heisst es dann auch immer: "Vor dem Lunch passierte dies und dies... Nach dem Tee war Mannschaft X mit einem Male von der Rolle..." usw. Man gewoehnt sich daran. Kriminell wird es dann allerdings bei den Testspielen, die gewoehnlich ueber 40 Tage gehen, weil jeder der 11 Spieler jeder Mannschaft 60 Baelle werfen darf und zieht sich das ueber vier, manchmal auch fuenf Tage hin. Da fragt man sich dann als Normalsterblicher schon, wer sich das anschauen soll und kann.
Die Weltmeisterschaft in England, von der in Deutschland wahrscheinlich keiner Notiz genohmen hat, beglueckte uns nun mit taeglich 7 bis 8 Stunden Live-Kricket. Man gewoehnt sich in der Tat an den Rhythmus, dass alle 2 Minuten vielleicht einmal etwas Interessantes passiert. Zwischendurch kann man sich aber getrost einer anderen Beschaeftigung zuwenden. Nachdem die Australier die ersten beiden Spiele vergeigt hatten und kaum noch einer einen Pfifferling auf sie gesetzt haette, gewannen sie mit mehr Glueck als Verstand schliesslich noch den Pokal. In etwa so, wie sich die deutsche Fussballnationalmannschaft haeufig durchmogelt. Ach du lieber Gott, da hatten wir ja nun eine schoene Bescherung! Da das Finale hier in der Nacht vom Sonntag zum Montag war, verkuendete der Premierminister, dass Blaumachen am Montag ok sei. Schliesslich sollten alle Landeskinder diese historische Stunde live erleben! Spaeter wurde die Mannschaft dann ueberall in Australien herumgereicht, in zig Fernsehstudios gezerrt, auf Paraden ausgestellt und und und. Als bevoelkerungsmaessig kleines Land haben die Australier immer irgendwie Minderwertigkeitskomplexe und wenn man dann im Sport gewonnen hat, was ja nun gar nicht mal so selten passiert, dann artet das immer gleich in Groessenwahnsinn aus. Nun ja, das sollte uns Zonenkindern schliesslich aus altbundesdeutschen Sportzeiten bekannt sein.
Der Monat Juni hat den sportinteressierten Bewohnern des australischen Kontinents so einiges abverlangt. Das fing mit der zweiten Woche der French Open im Tennis an, ging mit Kricket weiter, bevor man uns dann mit Wimbledon beglueckte, woran sich dann nahtlos die Tour de France ab Anfang Juli reihte. Bei derzeit 8 Stunden Zeitverschiebung zu Mitteleuropa bedeutet das lange Naechte vor dem Fernseher und wenig Schlaf. Um gesundheitlich nicht vollends unter die Raeder zu kommen, habe ich dann mein Tagesrhythmus umgestellt, d.h. Schlaf bis 10 oder 11 Uhr, so dass man dann nachts Fernsehen bis 4 Uhr morgens schauen konnte. Immerhin durften wir so doch noch einige Sternstunden des Sports, inklusive unserer alternden Tennisstars Steffi und Boris, erleben. Fuer die gerade zu Ende gegangene Tour de France mussten wir allerdings etwas tiefer in die Trickkiste greifen, da sich die australische Berichterstattung auf eine 30minuetige Zusammenfassung am naechsten Tag beschraenkte. Aber wozu ist das Graduate House seit einigen Wochen an das Satellitenempfangssystem der Uni angeschlossen? Das spanische Staatsfernsehen TVE bescherte uns so Livebilder der Tour, was nebenbei den angenehmen Effekt hatte, dass ich mein Spanisch mal wieder ueben konnte. Ob spanische Sportuebertragungen dafuer allerdings besonders geeignet sind, wage ich mal anzuzweifeln. Wer schon mal eine Fussballuebertragung gesehen hat, der wird verstehen, was ich meine! Nun schreien sie beim Radsport nicht staendig "Goal, goooooooaaaaaaallllllll!!!!!!!!!", aber aehnlich temperamentvoll geht es da auch zu. Zum Glueck war der ehemalige Tour de France-Sieger Pedro Delgado Co-Kommentator und der hat nun ungefaehr die selbe Lebhaftigkeit bei der Berichterstattung wie Timo Lange beim Interview, so dass insgesamt eine interessantes Stueck Fernsehen herauskam.
Nun schon eine Weile zurueckliegend, hielt der Monat Mai auch so einige Ueberraschungen fuer mich parat. Na, eigentlich fing es alles schon im April mit dem Entschluss an, nun doch einmal die Sache mit meinem australischen Fuehrerschein voranzutreiben. Eigentlich ist jeder, der laenger als 3 Monate in Australien bleibt und Autofahren will, verpflichtet, in dieser Zeit sich einen australischen Fuehrerschein zuzulegen. Da das aber in Arbeit und viel Buerokratie ausarten wuerde, gibt es eine Grauzone, wonach alle bis zu maximal einem Jahr in Australien lebenden auslaendischen Autofahrer mit ihrem internationalen Fuehrerschein fahren duerfen, ohne deswegen wegen Gesetzesueberschreitung belangt zu werden. Wer jedoch laenger als 12 Monate bleiben moechte, fuer den gilt die 3-Monatsfrist weiterhin.
Da diese Frist am Ende meines achten Monats hier nun schon lange vorbei war, dachte ich mir, sollte ich das vielleicht doch einmal in Angriff nehmen. So lange man keinen Unfall baut, haette ich natuerlich weiter mit meinem internationalen Fuehrerschein fahren koennen, aber bei der australischen Fahrweise ("Fahren koennen die hier alle nicht!") empfiehlt sich das nicht unbedingt, da das im Zweifelsfalle versicherungstechnisch dumm aussieht. Nach der zwoelfmonatigen Grauzone wuerde das hier rein rechtlich als Fahren ohne gueltigen Fuehrerschein angesehen und das findet die Polizei hier auch nicht amuesant.
Also mal schnell meinen deutschen Kollegen hier nach seinen Erfahrungen befragt: "Alles kein Problem, machste erst die Theoriepruefung und dann kannst Du ich fuer die praktische Pruefung anmelden, faehrst eine knappe Stunde kreuz und quer durch die Stadt und das war's dann!" Nun, das sollten wir hinkriegen, dachte ich mir. Folglich beim Autoamt angerufen, Termin fuer eine Woche spaeter bekommen und dann wuerde sich laut Aussage der netten Dame der Rest schon finden. Da es dann doch einige abweichende Regeln im australischen Strassenverkehr gibt, habe ich meine Nase ueber das Wochenende in das Regelbuch gesteckt und bin dabei auf so interessante Sachen gestossen wie: In Australien faehrt man links (huch! deswegen waren die mir bisher immer alle wild hupend entgegengekommen!), an T-foermigen Kreuzungen, im Amtsdeutsch wohl Einmuendungen (?), gleichrangiger Strassen gilt NICHT rechts vor links, sondern die durchgaengige Strasse hat immer Vorfahrt, und beim Abbiegen muessen die Kraftfahrer sehr wohl auf Fussgaenger achten und gegebenenfalls warten! Es war mir bisher nicht aufgefallen, dass sich auch nur ein einziger Australier daran gehalten haette. Als Fussgaenger werde ich wohl auch weiterhin lieber zurueckstecken, denn das Recht auf seiner Seite zu haben und trotzdem im Krankenhaus zu enden, ist wohl nicht so erstrebenswert.
Derart wohlgewappnet ging ich dann zum Test. 30 Multiple-Choice- Fragen, von denen man 26 richtig beantworten musste, wobei es dabei egal war, ob man nun die Vorfahrtsfragen oder die anderen Fragen verhaute. Hoechst interessant es Konzept... Vorfahrt, was'n das??? Wer den groessten Wagen hat, erhaelt Vorfahrt oder wie war das doch gleich? Den Test haette man in allen moeglichen Sprachen ablegen koennen: Von Spanisch und Franzoesich bis Chinesisch, Koreanisch und Japanisch. Deutsch war allerdings keine Option. Wie auch immer, den Test sollte man mit etwas gesundem Menschenverstand ohne Probleme mit Null Fehlern schaffen, da es dabei so schwierige Fragen wie diese hier gibt:
Ein Verkehrsschild begrenzt die maximale Geschwindigkeit auf 80km/h.
Ich darf trotzdem schneller fahren:
(A) wenn es dunkel ist,
(B) wenn ich die Bus- und Taxispur benutze,
(C) wenn ich es eilig habe,
(D) NIE!!!
Ja, wie Ihr seht, war es wirklich schwer, was aber einige Mitprueflinge nicht davon abhielt mit 16 (!) Fehlern mit Pauken und Trompeten durchzufallen! Das ist schon eine beachtliche Leistung! Da der Test aber grosszuegigerweise kostenlos ist, darf und kann man ohne Probleme in 2 Wochen wieder antanzen und das so lange ueben, bis man es geschafft hat.
Fuer mich begann der Spass jedoch erst nach dem Test, als man mir eroeffnete, dass man Probleme mit meinem deutschen und internationalen Fuehrerschein haette. Man suchte nach der Gueltigkeitsdauer des deutschen Fuehrerscheins, die wir ja bekanntlich unbegrenzt haben. Also versuchte ich ihnen das zu erklaeren. Antwort: "Alles schoen und gut, aber das steht hier nirgendwo und ausserdem ist das alles auf Deutsch!" Folglich verwies ich sie auf den extra mitgebrachten internationalen Fuehrerschein, der auf der Vorderseite gross und deutlich das Ausstellungsdatum und 3 Jahre spaeter das Ablaufdatum zeigt. Man sollte meinen, dass das reicht. Ja, Pustekuchen, nix da, da koennte ja jeder kommen und sagen, das waeren die Gueltigkeitsdaten! Denn die deutsche Regierung ist mal wieder so schlau gewesen, alles im internationalen Fuehrerschein mehrsprachig anzugeben, dabei aber die Vorderseite zu vergessen und so steht da nur auf Deutsch: Gueltig bis ... Ganz clever! So fing ich nun an zu diskutieren, was denn wohl das eine Datum von 1998 meinen koennte und was dann wohl das andere Datum von 2001 waere?!? Man sollte annehmen, dass ich nicht der erste Deutsche in Canberra waere! Ich hatte nun jedoch das seltene Glueck gehabt, meinen Test genau am zweiten Arbeitstag der Testerin zu machen und da war ihr so ein Fall noch nicht untergekommen.
Die gute Frau lief dann schnurstracks zu ihrer Chefin, die nach einiger Zeit mit wichtigem Gesicht erschien, um sich meine Geschichte nochmal von vorne anzuhoeren. Ihr Loesungsvorschlag: Eine beglaubigte Uebersetzung! Ich dachte, ich hoerte nicht recht. Wozu hat man eigentlich einen internationalen Fuehrerschein, wenn man den doch nicht gebrauchen kann?!? Antwort wie gehabt, so dass ich anfing zu argumentieren, ich waere wohl kaum der erste Deutsche hier in Canberra, der einen australischen Fuehrerschein haben moechte. Natuerlich hatte ich im Hinterkopf, dass mein Kollege hier das ganze Prozedere ohne Probleme mit der Vorgaengerin abgewickelt hatte. Aber wie Buerokraten nun einmal so sind, hilft da auch die logischste Argumentation nichts. Da wird auf stur gestellt, bloss nichts alleine entscheiden usw. Nachdem ich dann noch mein Glueck beim hoechsten Chef versucht hatte, blieb es bei der Forderung nach einer Uebersetzung. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, konnte ich noch nicht einmal den Augentest machen, geschweige denn mir schon einen Termin fuer die Fahrpruefung holen, auch wenn der sowieso erst fruehestens in 3 Wochen laege.
Bekanntlich sind Uebersetzungsdienste teuer und meistens nicht gerade schnell, so dass ich mich als erstes an die deutsche Botschaft wandte. Schliesslich sollen die ihren Landeskindern helfen und ausserdem befindet sich die Botschaft hier in Canberra. Nach den Ueberraschungen mit der australischen Buerokratie wurde ich in der deutschen Botschaft erstaunlicherweise Zeuge einer freundlichen und hilfsbereiten deutschen Buerokratie. Passiert einem in der Heimat auch nicht allzuoft. Nun ist eine Botschaft normalerweise fuer Pass- und Visaangelegenheiten zustaendig, hat aber mit Fuehrerscheinen nichts am Hut. Allerdings schien man das Problem schon zu kennen und daher bereits ein Schreiben parat, in dem nur noch der Name und das Geburtsdatum eingesetzt werden mussten. Dieser Schriebs erklaerte nun auf Englisch, dass deutsche Fuehrerscheine keine begrenzte Gueltigkeitsdauer haetten und das ich im Besitz eines solchen waere. Der freundliche Service hatte natuerlich seinen Preis und so zwackte man mir 42A$ ab. Soviel haette auch ein neuer Reisepass hier gekostet. Aber wir haben es ja...
Mit dem guten Stueck bin ich dann wieder zum Autoamt geradelt und habe Ihnen den Wisch vorgelegt. Da sich unsere junge Kollegin immer noch nicht sicher war, Himmelherrgott nochmal!, ging sie damit wieder zur Chefin, die an jenem Tag eine andere Dame war. Die schaute mal kurz auf den Schein und meinte dann: "Schoen, das hat alles seine Ordnung, aber im Prinzip haetten wir das auch ohne machen koennen..." Schoenen Dank auch! Immerhin durfte ich nun den Sehtest absolvieren und mir einen Termin in 3 Wochen holen, was mich auch nur 35A$ kostete.
Zur Fahrpruefung kommt man uebrigens mit einem eigenen (oder geliehenen) Auto an. In Australien muss man naemlich keine Fahrschule besuchen, sondern kann auch in Papas Auto fahren lernen. Dazu geht man einfach zum Autoamt, besteht den Theorietest und kriegt dann ein L-Schild und schon geht es munter hinein in den allgemeinen Strassenverkehr! Alleine fahren darf man zwar nicht, sondern es muss immer jemand mit einer vollen Lizenz auf dem Beifahrersitz sitzen, aber da es sich immer noch nur um ein normales Fahrzeug handelt, sind die Moeglichkeiten des Eingreifens in Gefahrensituationen relativ stark eingegrenzt, wuerde ich mal sagen. Also meine ganze Phantasie moechte ich eigentlich nicht hineinstecken, wenn ich mir diese Art des individuellen Fahrenlernens vorstelle...
Da der Termin der praktischen Pruefung auf einem Montag lag, dachte ich mir, nimmst Du Dir den Mietwagen schon ueber das Wochenende und kurvst durch die Gegend um das Autoamt. Schliesslich ist es ein beliebtes Spiel, die Prueflinge durch die Schulzonen zu schicken, in denen man waehrend der Schulzeit nur mit 40 km/h fahren darf. Der Pruefer begruesste mich dann auch gleich freundlich mit der Aussage, dass mein internationaler Fuehrerschein ja sowieso nicht mehr gueltig waere, da darauf der 11.5. als Gueltigkeitsdatum stuende und unterschwellig liess er durchblicken, dass ich ja wohl dann halb illegal hierher gefahren waere. Das es sich jedoch um den 11.5.2001 handelte, konnte ich dann aber noch richtigstellen. Darauf folgte eine Argumentation, wie schwachsinnig wohl die Deutschen waeren, Fuehrerscheine auf Lebenszeit auszustellen. Also das waere ja nun voellig daneben! Den Kommentar ueber die lebensgefaehrliche Art des Fahrenlernens in Australien verbiss ich mir jedoch, schliesslich will man den Pruefer nicht gleich am Anfang schon gegen sich aufbringen.
50 Minuten lang ging es dann kreuz und quer durch die Stadt, wobei sich meine Ortskenntnis auszahlte, da mich der liebe Kollege gleich dreimal durch die selbe Schulzone schickte. Trickreich dabei, wenn man abbiegt, gilt die Zone immer noch weiter. Da haette er mich einmal fast erwischt, aber ich merkte es dann noch rechtzeitg beim Beschleunigen. Am Ende durften dann natuerlich nicht die "wohlmeinenden" Kommentare fehlen, auch wenn er mir rechtlich keine Fehler vorweisen konnte. Da gab es dann den Hinweis, vor einer Kreuzung nicht zu frueh auszukuppeln oder gar in den Leerlauf zu wechseln, da man ja vielleicht einmal den (konstruierten) Fall vorfinden koennte, dass man sich einer roten Ampel naehert und der 30t-Truck hinter einem nicht bremsen koennte. Dann koennte man eben einfach auf's Gaspedal springen, den kreuzenden Verkehr im Slalom nehmen und so einen Unfall vermeiden. Dummerweise hatten wir waehrend der Testfahrt an jeder roten Ampel immer wenigstens ein Fahrzeug vor uns, so dass das sowieso keine Option im Zweifelsfalle gewesen waere, aber wie schon gesagt, wer diskutiert schon mit einem Pruefer.
Als ich nun dachte, das waere es gewesen und ich koennte mir die Plastikkarte nun abholen, wurde mir mitgeteilt, dass ich erstmal noch 75A$ Ausstellungsgebuehr bezahlen duerfte. Ganz schoen teueres Passfoto, wenn Ihr mich fragt, aber eine Wahl hat man eigentlich nicht, wenn man den Schein haben will. Naja, nun habe ich den australischen Wisch jedenfalls fuer die naechsten Jahre bis zu meinem 30.Geburtstag, wann ich ihn erneuern muesste (nur der Sehtest nochmal). Da das aber in 2002 sein wird, werde ich wohl kaum noch hier sein. (Wir wollen mal nicht hoffen, dass sich die Doktorarbeit so lange hinziehen wird...) Alles in allem hat mich diese Investition ca. 150A$ gekostet. Ich war damals nicht sonderlich erbaut ueber diese teilweise unerwarteten Ausgaben, aber wenn man es mit den (gepfferten) deutschen Pruefungsgebuehren vergleicht, dann ist das wohl noch ok.
Wenn ich mir so die Australier beim Autofahren anschaue, dann gilt hier wohl auch die Grundregel: Nach Der Fahrpruefung gehen saemtliche Regeln ueber Bord! Da rollt man an roten Ampeln schon mal halb auf die Kreuzung oder faehrt gleich durch, wenn einem die Kreuzung frei erscheint. Der Blinker ist auch nur Zierde ("Schnickschnack, sieht doch jeder, wenn ich abbiege."). Es wird besoffen gefahren ("Sind doch nur 500m bis nach Hause!" Richtig, haette man dann aber nicht gleich laufen koennen?), Vorfahrtsregeln sind dazu da, missachtet zu werden. Eine der unangenehmsten Sachen ist das Dichtauffahren. Ich spreche hier schon gar nicht von einem richtigen Sicherheitsabstand, aber etwas mehr als 1m duerfte es dann bitte schon sein. Wenn die Kollegen dann wenigstens einmal ueberholen wuerden, saehe ich das ja noch teilweise ein, aber nein, da wird munter stundenlang hinten an der Stossstange geklebt, obwohl sich zig Ueberholchancen boeten. Nicht umsonst sind Auffahrunfaelle die haeufigste Unfallart, aber lernen tut daraus auch keiner.
Zum Ende meiner heutigen Exkursion in das Reich des australischen Strassenverkehrswesens die Frage, was sich wohl hinter einem "Wombat Crossing" verbergen moege. Wombats? Ja, genau, das sind diese kompakt gebauten Tiere, die in Australien die Rolle der Wildschweine des Nachts auf den Strassen uebernehmen. Irgendwelche Ideen? Vielleicht ein Wildwechsel fuer Wombats? Nee, voellig falsch! Es ist ein Fussgaengerueberweg mit integrierter Schwelle, die die Autofahrer zum Langsamfahren zwingen soll. Der Name soll daherkommen, dass es im Wagen ungefaehr so rumpelt, wenn man ueber den Ueberweg mit voller Geschwindigkeit faehrt, als wenn man nachts auf einer einsamen Landstrasse ueber einen Wombat hinweghoppelt... Ist schon eine Art schwarzer Humor, oder?
C ya,
Roland